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Malen mit Mikroben an der Loire

In diesem Schuljahr ging der Austausch mit der westfranzösischen Stadt Angers in die zweite Runde: Anfang März waren die Partner des Lycée Jean Moulin hier in Hannover und vom 8. bis 12. April traten die Elftklässler den Gegenbesuch an.

Die Anreise nach Paris klappte trotz 40 Minuten Verspätung gut, die Hektik beim Wechsel vom Gare de l’Est zum Gare Montparnasse bot einen intensiven Adrenalinschub, aber mit 4 Minuten Puffer erwischten wir am Ende doch noch den Zug nach Angers.

Ein herzliches Willkommen am Bahnhof und 5 Tage Gastfreundschaft in den Familien und in der Schule bestätigen, dass wir diesen Austausch immer wieder gern mit ins ERASMUS-Programm aufnehmen. Inhaltlich wurde in drei gemeinsamen Workshops am Thema „Food for Future“ gearbeitet. Die meisten Austauschpartner belegen das Abiturprofil mit biologisch-chemischer Ausrichtung und die Zusammenarbeit im Labor verlief überwiegend auf Englisch. Das zentrale Projekt Agar Art wurde über zwei Tage durchgeführt und verwandelte das Labor des Lycée in ein Kunstatelier.

Agar Art ist eine faszinierende Verbindung von Mikrobiologie und Kunst, bei der lebende Mikroorganismen (Bakterien, Hefen, Pilze) als „Farben“ auf einer Nährboden-Leinwand (Agar) in Petrischalen kultiviert werden. Die Schüler entwarfen in gemischten Gruppen Designs von Formen, Zeichen und teilweise richtig komplexen Bildern auf Papier: eine Blüte, Symbole, einfache Farbverläufe, aber auch ein Gesicht und sogar die Skyline von Hannover nahmen sie sich vor. Die Zeichnungen dienten als Schablone in der Petrischale und mit einer feinen Impföse trugen die Schüler dann nach und nach abgeschwächte Stämme verschiedener Pilze und Bakterien wie Escherichia coli oder Staphylococcus Aureus auf, die erst nach einer Inkubationszeit sichtbare Pigmente bilden. Die französischen Schüler waren sehr geübt im Umgang mit den Labormaterialien und die Sicherheitsbelehrungen wurden fleißig hin- und her übersetzt.

Nach 24 Stunden Reifung bei exakt 37 Grad konnten sich am nächsten Tag tatsächlich alle Gruppen über die entstandenen Bilder freuen. Auf unterhaltsame Art und Weise bekamen die Schüler so einen Einblick in mikrobiologische Verfahren zur Anzucht von Mikroorganismen als Grundlage alternativer Proteinquellen wie Fleischalternativen. In der Pflanzentechnologie werden gezielt Pflanzenzellen auf Agar gezüchtet, um widerstandsfähigere oder ertragreichere Sorten zu entwickeln. Außerdem lernten sie ganz praktisch, wie Lebensmittel dank der Kultivierung von Proben auf Agarplatten auf schädliche Bakterien (z.B. Salmonellen) untersucht werden können.

In der Freizeit – die an französischen Schulen etwas knapper ausfällt… – wurde die Stadt erkundet und als Höhepunkt empfanden viele die Atmosphäre bei der Besichtigung des mittelalterlichen Schlosses. Es waren volle Tage mit vielen nachdrücklichen Eindrücken in den Familien: legendäre Froschschenkel, viele Haustiere, Punktspiele im Basketball, ein Ausflug nach Nantes, Dartturnier mit der Gastfamilie und sogar ein Lagerfeuer auf dem Bauernhof. Am Freitagmorgen fanden die meisten dann die Abfahrt deutlich zu früh – und meinten damit nicht nur die Uhrzeit!